Villa Freischütz- Ein neues Museum in Meran

villa freischütz meran

Man stelle sich vor: Ein altes, sehr altes herrschaftliches Haus, inmitten eines großen, komplett verwilderten Parks, Bäume und Sträucher wachsen bis an die Hausmauern heran. Dieses Haus liegt in bester Lage in Obermais, dem grünen Stadtteil und Villenviertel von Meran, ist aber zugleich so weit weg vom Schuss und zugewuchert, dass es vom Priamiweg, welcher dort hin- und vorbeiführt (fast) nicht zu erkennen.

Dieses Haus ist die Villa Freischütz, welche anno 1909 im Landhausstil erbaut wurde und somit zu den „neuen“ alten Villen in Meran gehört, welche nicht mehr im Jugendstil erschaffen wurden. Die Villa Freischütz wurde 1922 von Franz Fromm (1854-1941), einem preußischen Weinhändler, welcher in Barcelona seine Geschäfte tätigte, gekauft. Bis dahin hatte er mit seiner Familie bereits seit 17 Jahren die schönsten Villen und Schlösser in Meran zur Miete bewohnt, so z.B. Schloss Rametz und Schloss Rubein. Franz Fromm war ein leidenschaftlicher Kunstsammler, welcher mit viel Spürsinn Kunst und Artefakte aus aller Herren Länder sammelte und bis zu seinem Tode 1941 in seiner Villa Freischütz hortete.

Bis zum Jahre 2013 lebte in diesem Haus seine Enkelin Rosamaria Navarini (1926-2013), welche diesen Ihren Nachnamen durch die Hochzeit Ihrer Mutter Luisa Fromm y Hilliger mit einem italienischen General bekam. In Ihrem Testament hat Rosamaria Navarini verfügt, dass Ihr gesamtes Vermögen inklusiv der Villa Freischütz nach Ihrem Tode in eine Stiftung überzugehen hat. Diese Stiftung sollte Ihren letzten Willen gemäß ein Museum in der Villa Freischütz schaffen, welches das Haus selbst, aber auch sämtliche Kunstwerke, die sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt haben, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Szenenwechsel: Es ist ein warmer Herbsttag im Oktober 2018, ich sitze auf einem bequemen Sessel im Wohnzimmer von Rosamaria Navarini, mir gegenüber blättert die Meraner Architektin Herta Waldner in alten Rechnungsbüchern, während sie über das Haus erzählt. Die versierte Architektin steht als Präsidentin der Stiftung „Fondazione Navarini-Ugarte“ vor, ebenjener Stiftung, welche sich die große und komplexe Aufgabe aufgebürdet hat, das Museum Villa Freischütz auf die Beine zu stellen.

herta waldner

„Jeder, der das Museum Villa Freischütz betreten wird, soll sich wie in eine Zeitkapsel versetzt fühlen“, erzählt die Architektin, welche auf historische Bauten spezialisiert ist. „Neben der enorm vielseitigen Kunstsammlung aber sollen es vor allem die Alltagsgegenstände aus der Zeit von 1922-1941 und den nachfolgenden Jahrzehnten sein, welche vieles über das Leben der Bewohner des Hauses über die Familie, deren Angestellte und schlussendlich auch über die Geschichte Merans in diesen bewegten Zeiten zu erzählen haben“.

Zu den Alltagsgegenständen gehören beispielsweise viele bestens erhaltene handschriftliche Hinterlassenschaften wie Zeugnisse, Tagebücher, Haushaltsbücher und Rechnungsregister, welche im harmonischen Einklang mit Büchern aus dem 15. Jahrhundert. einem regelrechten Waffenarsenal, Brettspielen aus der Jahrhundertwende und den Gemälden von Ellen Tornquist und Georg Greve Lindau präsentiert werden.  Dazu kommt das Haus selbst: Große, weite und sonnendurchflutete Räume, abwechselnd prächtige Terrazzo- und knirschende Parkettböden, die Wände teils mit asiatischen Tapeten geschmückt, eine immer noch funktionsfähige Küche, wertvolle Möbel aus aller Herren Länder, welche teils selbst schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Alles hier ergibt Sinn oder hat eine Funktion, welche sich aber sehr oft erst nach fachlichem Hinweis der Expertin eröffnen.

Das Museum Villa Freischütz wird am kommenden Ostersamstag, dem 20. April 2019 eröffnet.  Bis dahin stehen den Verantwortlichen der Stiftung, aber auch den vielen freiwilligen Helfern (Es werden noch freiwillige Helfer gesucht!) noch viele Herausforderungen bevor! Was man aber jetzt schon erahnen kann ist, das sich das Museum in Zukunft perfekt in die hochwertige Riege der Museen in Meran eingliedern wird und eine echte Bereicherung der Meraner Kulturlandschaft sein wird!

Video: Emma Sophia Chizzali

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