Feine Künstlerin

Es fühlt sich ein bißchen an wie ein Besuch bei Großmuttern, wenn man das Atelier von Elfi Widmoser in Obermais/ Meran betritt. Mit einem freundlichen und zurückhaltendem Blick wird von der Künstlerin (Jahrgang 1930) bedacht, wer hier eintritt, um Ihre Werke zu besichtigen.

Die Anlässe, Ihre Arbeiten „live“ zu sehen hierfür sind leider selten geworden, in den letzten Jahren war dies nur mehr an zwei Wochenenden in der Adventszeit möglich.

Umso lieber beginne ich einen Rundgang durch das Atelier. Behutsam schreite ich über den knarzenden Holzboden und freue mich über die Ruhe, welche in diesen drei alten Räumen liegt. Diese liegen im Parterre Ihres Geburtshauses in Obermais, direkt am Sissiweg. Ganz früher noch beherbergten die Räume die Tischlerei Ihres Vaters, was an einigen noch vorhandenen Utensilien zu erkennen ist, in der ersten Nachkriegszeit versorgte hier ein Lebensmittelgeschäft die Anrainer mit dem allernötigsten.
Durch die südwärts gerichteten Fenster kann ich einen Blick auf einen kleinen, aber dicht bepflanzten Blumengarten erhaschen, welcher auf vielen Bildern an den Wänden verewigt ist.

Nicht nur an den Wänden, auch am Boden, in jeder Ecke und an jedem Fenstersims finden sich Aquarelle und Ölbilder aller Größen, Karten, Batiken und Radierungen liebevoll verteilt. Die Motive: Hauptsächlich Ansichten Südtiroler Landschaften, Stillleben, Radierungen und Ansichten von griechischen Inseln sowie der Insel Elba. Und immer wieder Meran. Eine wahre Farbenexplosion trifft den Betrachter, in den Bildern von Elfi Widmoser blitzt und kracht es vor lauter Farben- und Lebensfreude!
Ihre erste künstlerische Ausbildung erhielt Elfi Widmoser von der Malerin und Pädagogin Anni Egösi von 1945 bis 1949, welche das Talent der jungen Künstlerin erkannte und förderte. Und eben jenes Talent verschaffte Ihr auch bereits im ersten Anlauf den Eintritt in die Akademie der Bildenden Künste in München.

Gleich im Anschluss Ihrer akademischen Ausbildung in München, zurück in Meran, organisierte sie Ihre ersten Ausstellungen in der Domenikanergallerie in Bozen und im Meraner Kurhaus, wobei letztere“ein voller Erfolg“ war, wie die Malerin erzählt. Seitdem gehört sie zu den taxiertesten Malern Südtirols, ihre feine, ruhige Art und Ihr Können stellte sie auch jahrzehntelang als Leiterin von Kunst- und Malkursen dem Südtiroler Künstlerbund zur Verfügung, um junge Talente zu fördern.